Gödde News

So ist Handwerk:

VON MARKUS KLUFT
Es ist wie so oft im Leben: Viele Geschichten sind miteinander verwoben. So ist es auch mit der von Nabeel Al-Khadra und Ludger Gödde. Der Ort der Handlung ist Schmallenberg im Sauerland. Dort betreibt Ludger Gödde seit Jahren erfolgreich ein Mazda-Autohaus. Wer im Handwerk Erfolg haben will, das weiß er, braucht eine gute Mannschaft. Ausbildung ist daher für Ludger Gödde ebenso selbstverständlich wie die ständige Fortbildung seiner Mitarbeiter. Vor allem weiß er: Der Fachkräftemangel ist auch im Sauerland angekommen.

Vor zweieinhalb Jahren kam Nabeel ins Schmallenberger Sauerland. Seine Geschichte ist die vieler Menschen heute. Geboren und aufgewachsen in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus, stand der Lebensweg des jungen Mannes lange Zeit unter keinem guten Stern. Krieg und Terror waren seine Wegbegleiter. Er schloss trotzdem in seiner alten Heimat erfolgreich die Schule ab, machte eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechaniker und hatte eine feste Stelle. Es war ein fast ganz normales Leben in einer unnormalen Zeit. Aber dann wollten ihn sowohl die syrische Armee wie auch deren Gegner zum aktiven Kämpfer in ihren Reihen machen. Doch das wollte Nabeel auf keinen Fall!

So blieb ihm und seiner Familie nur die Flucht aus einem vom Krieg geschundenen Land ins Ungewisse. Die erste Station: Libanon. Das Ziel: Europa. Es ging auf dem Landweg weiter, für ihn schließlich mit dem Boot. Als auf See der Motor versagte, war der absolute Nichtschwimmer Nabeel der einzige, der etwas von Motoren verstand. Er brachte die Maschine zum Laufen und so erreichten alle an Bord wieder sicheren Boden unter den Füßen. Doch der Weg war noch lang für den heute dreißigjährigen Syrer – und von seiner Familie hatten ihn die Umstände getrennt. Seine Flucht wäre eine eigene Geschichte wert.

Vor drei Jahren kam Nabeel ins Sauerland. Allein! Untergebracht war er in einem Übergangsheim – einer alten Turnhalle. Er setzte er alles daran, auf die Füße zu kommen, Arbeit zu fi nden und seine Familie nachzuholen. Den ersten Schritt machte er, indem er die ersten Brocken Deutsch lernte. Der zweite Schritt war ein Praktikum Anfang April vor zwei Jahren im Autohaus Gödde. Ludger Gödde erkannte schnell das Potenzial, das in dem jungen Mann steckt und unterstützte Nabeel, wie ihn ausnahmslos alle im Betrieb rufen. „Ich war begeistert von seinem Einsatz und auch seinem Können beeindruckt“, betont Ludger Gödde anerkennend. Er stellte ihn ein. In den Sommermonaten kam der junge Syrer mit dem Fahrrad in den Betrieb. Für den Winter organisierte der Chef einen Shuttleservice. Nebenher paukte Nabeel intensiv Deutsch. Heute spricht er die Sprache ausgesprochen gut, wohlgemerkt nach nicht einmal drei Jahren in Deutschland.

Doch es galt weitere Probleme zu lösen. An erster Stelle stand für Nabeel, seine Familie nachzuholen. Das gelang. Er musste eine Wohnung fi nden. Mit Hilfe von Ludger Gödde klappte auch das. Beim nächsten Schritt kam die Handwerkskammer Südwestfalen ins Spiel. Nabeel wollte nicht nur als Monteur arbeiten, sondern als Kraftfahrzeugmechatroniker, also in dem Beruf, den er in Syrien erlernt hatte, denn seit April 2012 können auch Personen, die im Ausland eine Berufsausbildung gemacht haben, diese auf Gleichwertigkeit mit einer deutschen Berufsqualifi kation überprüfen lassen. Für handwerkliche Qualifikationen führt die Handwerkskammer Südwestfalen die Gleichwertigkeitsfeststellungen innerhalb ihres Kammerbezirks durch. Also wurde Kammermitarbeiterin Dagmar Stümpel-Müller kontaktiert, die als Juristin die Verfahren durchführt. Sie sichtete alle Dokumente, nachdem diese übersetzt und beglaubigt worden waren, führte Gespräche mit Nabeel Al-Khadra und Ludger Gödde, und bereitete die Überprüfung der Leistungen von Nabeel für die Anerkennung vor.

Im ersten Anlauf zeigte sich bei Nabeel, dass noch etwas Qualifi zierungsbedarf bestand. Doch das entmutigte ihn nicht – im Gegenteil. Nabeel gab noch mehr Gas, machte zusätzliche Schulungen im bbz Arnsberg und erreichte nach der erfolgreichen Anpassungsqualifi zierung im Juni 2018 das Ziel. Nun ist er als Nabeel Al-Khadra kam vor gut drei Jahren aus dem Kriegsgebiet in Syrien auf abenteuerlichen Wegen ins Sauerland. Sein  Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren ist erfolgreich abgeschlossen. Nun ist er Kraftfahrzeugmechatroniker im Mazda-Autohaus von Ludger Gödde. Sein Ziel: Meister! Kraftfahrzeugmechatroniker bei Ludger Gödde angestellt. Acht Herstellerschulungen kann er dieses Jahr schon auf seinem Konto verbuchen, deutlich mehr als normal. Sein Ziel hat er neu defi niert: „Ich will Meister werden!“ Auch seine Frau strebt ins Handwerk, will Zahntechnikerin werden, büffelt Deutsch.

Die Weichen sind gestellt, eine Ausbildungsstelle ist gefunden. Die gemeinsame Tochter geht bald in die Schule. Alles gut? Nicht ganz, denn Nabeel und seine Familie sind weiterhin Syrer und falls in ihrer alten Heimat „der Frieden ausbrechen“ sollte, werden sie zurückgehen müssen, solange sie hier nicht eingebürgert wurden. Für alle heutigen Konfl iktparteien kämen sie als Deserteure zurück – wahrlich keine gute Perspektive. Dabei ist Ludger Gödde froh, einen so guten Mitarbeiter in Zeiten des Fachkräftemangels gefunden zu haben und will ihn nicht verlieren: „Sie fühlen sich hier wohl, haben Arbeit und ihre neue Heimat gefunden. Nabeel ist ein echter Leistungsträger im Betrieb.“ Er wird ihn auch weiterhin unterstützen. autohaus-goedde.de

  Nabeel Al-Khadra kam vor gut drei Jahren aus dem Kriegsgebiet in Syrien auf abenteuerlichen Wegen ins Sauerland. Sein Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren ist erfolgreich abgeschlossen.

Nun ist er Kraftfahrzeugmechatroniker im Mazda-Autohaus von Ludger Gödde. Sein Ziel: Meister!
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